Egal ob nach einem Unfall, einer Operation oder sogar nach einem Piercing – Narben können in den unterschiedlichsten Formen auftreten. So kann es beispielsweise auch zu überschiessenden Narben – sogenannten Keloiden – kommen. Es gibt jedoch moderne dermatologische Verfahren, welche auch in einem solchen Fall Abhilfe schaffen können.

Keloide sind gutartige tumorähnliche Läsionen. Sie sind per Definition überschiessend wachsendes Narbengewebe, welches über den ursprünglichen Wundrand heraus wuchert, was auf eine exzessive Kollagensynthese, also eine Überreaktion des Körpers, zurückzuführen ist. Keloide können auch ohne vorherige Verletzung oder Operation entstehen, manchmal auch erst Monate oder Jahre nach einem Ereignis.

Wer zu einer überschiessenden Narbenbildung neigt, sollte schnell einen spezialisierten Dermatologen aufsuchen: zum einen gibt es besondere Wundpflegepräparate mit Silikon, die einen unsichtbaren, aber wichtigen Film über die frischen Wunden ziehen, zum anderen kann ein frühzeitiger Einsatz fraktionierter Laser die Situation erheblich verbessern.

Keloide entstehen durch eine exzessive Kollagensynthese des Körpers.

Keloide sind für den Betroffenen einerseits ästhetisch sehr störend, können jedoch auch zu Bewegungseinschränkungen führen, da das Gewebe oft hart und unelastisch ist, was vor allem in der Nähe eines Gelenkes problematisch werden kann.

Auf Grund ihrer roten Farbe und der wulstigen Erscheinung werden Keloide häufig mit sogenannten hypertrophen Narben verwechselt, die auf Grund einer lang anhaltenden Entzündungsreaktion etwas dicker als gewünscht ausfielen. Zwischen diesen beiden Narbenarten gibt es jedoch einen bedeutenden Unterschied: Während hypertrophe Narben auch mit dem Laser behandelt werden können, gab es für echte Keloide lange Zeit keine befriedigende Therapieoption. Dank einem Verfahren, welches in der Dermatologie viele Jahre in Vergessenheit geraten war, ist dies heutzutage glücklicherweise nicht mehr so.

Die Radiotherapie wird in erster Linie zur Behandlung inoperabler Hauttumoren eingesetzt, wirkt aber auch hervorragend bei der Behandlung von Keloiden. Diese Röntgentherapie wird jedoch nicht als alleinstehende Therapie angewendet, da diese eine sehr hohe Rückfallquote aufweist. Beginnt man unmittelbar nach der chirurgischen Exzision des Keloids mit einer Serie von Röntgenbestrahlungen, wird eine erneute Wucherung des Narbengewebes verhindert, es entsteht eine «normale» Narbe, die wesentlich unauffälliger ist, und vor allem keine Beschwerden mehr hervorruft.

Wegen einer hohen Komplexität mit vielen Variablen ist eine Standardisierung der Keloidbehandlung jedoch nicht möglich. Bevor solch radikale Behandlungen oder Kombinationtherapien überhaupt in Betracht gezogen werden sollten, raten wir zuerst zu simpleren Therapien, beispielsweise einer intraläsionalen Triamcinolon Injektion (TAC) oder einem kryochirurgisches Verfahren mit flüssigem Stickstoff. Sollten diese erfolglos bleiben, kann immer noch zu den Kombinationstherapien übergegangen werden.

Wichtig ist in jedem Fall, ein auf den Patienten zugeschnittenes Therapieverfahren finden, um eine möglichst hohe Erfolgschance bei möglichst geringen Risiken zu erreichen. Lassen Sie sich beraten.